Hoffnungsleuchter in Zeiten von Corona

Wir dürfen Hoffnung haben,

wenn wir zusammenhalten

und mit Jesus Christus                 

eine starke Kraft in             

der Mitte haben.

 

Vorwort

Die Wehrkirche zu Vach gehört zu den schönsten in ganz Bayern.

Im Turm, auf der linken Seite des Haupteingangs der St. Matthäus-Kirche, befindet sich seit dem Karfreitag 2020 ein

„Hoffnungsleuchter“.

Im ältesten Teil des 960 Jahre alten und ehrwürdigen Gotteshauses, im Turm, entstand eine kleine Kapelle, ein Andachtsraum, in dessen Mitte der neu gestaltete Leuchter steht.

Wenn Sie an diesem besonderen Ort sind, wünsche ich Ihnen Ruhe und Geborgenheit vor den Stürmen des Lebens und des Alltags.

Denken Sie einen Augenblick nach und seien Sie gewiss:

Hier bin ich Willkommen!

Mit einem massiven Mauerwerk aus Bruchsandstein wurde der trutzig wirkende Kirchturm mit Schieß-scharten als zentrales Element einer Wehrkirche zur Verteidigung gegen Angreifer in romanischer Zeit errichtet. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1059.

Andachtskerze

Ich zünde eine Kerze an und bete…

Halten Sie einen Moment lang Stille

und verweilen Sie.

Atmen Sie die Atmosphäre                                                                                                                

 des Raumes ein.

Lassen Sie diesen auf sich wirken.

Hier haben viele Menschen vor Ihnen gebetet.                         

Bevor Sie wieder aufbrechen,

haben Sie jetzt die Möglichkeit

eine Kerze anzuzünden.

Gebet beim Entzünden der Kerze

 

 

 

 

 

 

Sie können als Hilfe folgendes Gebet sprechen:

Ich kann nicht beten –

ich habe Sorgen.

Darum komme ich zu dir, Gott,

um eine Kerze anzuzünden.

Sie ist ein Zeichen,

dass ich einige Augenblicke vor                                                                                                 

dir, Gott, schweigen will.

Du willst jedem Menschen nahe sein.

Deshalb bin ich heute zu dir gekommen,

weil ich dich brauche.

Ich zünde diese Kerze an,

weil ich mit dir verbunden bleiben möchte.

Diese Kerze ist nur ein Zeichen.

Ich möchte dir sagen: Gott, ich brauche dich.

Amen.

Gedanken bei der Entstehung des Leuchters  

Corona-Pandemie 2020

In den jetzigen Zeiten, in denen das Coronavirus viele Menschen bewegt, nehmen wir wahr: Ein Virus wandert um die Welt, über Kontinente und Erdteile. Selbst vor den entlegensten Winkeln macht es nicht Halt. Menschen haben Angst sich anzustecken. Einige sind schon infiziert, andere zeigen schwere Symptome von Covid-19 und müssen ins Krankenhaus, um beatmet zu werden. Einige sind auch schon gestorben, wir trauern um jeden einzelnen Menschen.Wir sehen uns einer Flut von Informationen ausgesetzt. Wir müssen das Wichtige vom Falschen unterscheiden. Politiker, Virologen nehmen dazu Stellung. Ausgangsbeschränkungen werden angeordnet, Gottesdienste entfallen. Wir suchen Hilfe und Halt in schwerer Zeit.  Hoffnung für Hoffnungslose.

Darum dieser Leuchter.

Wir nennen ihn Hoffnungsleuchter. Gott möge seine Menschheit vor Schlimmerem bewahren und Hoffnung und Frieden schenken.

Gebet (Lasst uns beten)

Gott der Hoffnung!        

Hilf uns, diejenigen mit unseren Herzen zu erreichen,

die wir mit unseren Händen nicht berühren dürfen.

Hilf uns, auch in der Distanz unsere sozialen Kontakte zu wahren.

Schütze das Leben,

bewahre die Kranken und Betagten.

Bewahre uns in deinem Frieden.

Amen. 

Hintergrund

 

„Hoffnung für die Welt“ heißt Frieden haben –

in Frieden leben dürfen,

mit sich selbst, mit dem Gegenüber

und mit Gott.

 Friedensleuchter

Darum kam mir die Idee einem Leuchter in unserem kleinen Andachtsraum in der großen Kirche einen Platz zu geben.

Die Grundidee eines Friedensleuchters geht auf den „protestantischen Urleuchter neuerer Art“ (Landesbischof Horst Hirschler, Hannover) zurück. Der Leuchter steht seit der Weltkirchen-konferenz 1968 im Dom zu Uppsala (Schweden).

Hintergrund zu den Personen

Seit dem Jahr 2003 bemühte sich Pfarrer Markus Pöllinger, damals mit dem Marktredwitzer Leuchter (Gebetsbuch: Ich zünde eine Kerze an und bete…), eine eigene Form zu entwickeln. Seitdem ist ihm die Idee nicht mehr aus dem Kopf gegangen: Frieden und Hoffnung für die Welt. Wir sollen dafür beten und eintreten, dass Friede werde.

Erst im Jahr 2019, inspiriert durch den Bayreuther Leuchter, griff Pfarrer Markus Pöllinger in intensiven Gespräch mit dem Logopäden und Kunstschmied Thomas Wippich aus Vach die Idee wieder auf, so dass nun im Jahr 2020 während der Corona-Krise  dieses Kunstwerk eines „Hoffnungsleuchters“ entstand und an Karfreitag seinen Platz in der Kirche fand.

Nachwort

Dazu möge der Leuchter möglichst viele Besucherinnen und Besucher in unsere St.-Matthäus-Kirche einladen.

In der geöffneten Kirche können Besucherinnen und Besucher eine Andachtskerze anzünden.

Darüber hinaus gibt es sicher viele weitere Möglichkeiten und Ideen rund um den Hoffnungsleuchter Neues zu entdecken und auszuprobieren.

  • Hoffnung macht kreativ

Gebet (to go – auf dem Weg zum Mitnehmen)

Hoffnung ist Vertrauen,

dass noch etwas kommt.

Fast gegen die Vernunft

und sämtliche Erfahrung.

 Hoffnung ist Vertrauen,

dass Gott handeln wird

und uns nicht aufgibt,

nicht einmal im Augenblick

unseres Todes.

 Wenn es einen Grund gibt,

fröhlich jeden Tag zu leben,

leichte und unbeschwerte Tage,

dann ist diese Hoffnung Vertrauen.

Amen.

 

„Hoffnung für die Welt“ heißt Frieden haben – in Frieden leben dürfen,

mit sich selbst, mit dem Gegenüber

und mit Gott.

Kreuzesleuchter

Über zwei gekreuzten Reifen, die eine Weltkugel darstellen, ist ein Kreuz gesetzt. Deshalb bot sich auch der Karfreitag für das Aufstellen an als Todestag Jesu und endzeitlicher Versöhnungstag.

Ich sehe darin folgende Deutung:

Hier werden wie bei der 2020 bestehenden Coronavirus-Pandemie (Covid- 19) alle Lebenslinien durchkreuzt. Das Kreuz aber auf der Kugel zeigt an: Das Leben ist stärker als der Tod. Der Gekreuzigte mit seinen ausgebreiteten Armen ist und bleibt Sieger über diese Welt, die ihn oft gar nicht wahrnimmt, weil er sich nicht aufdrängt.

Das Kreuz als Schattenwurf am Fuße des Leuchters umrahmt von einer Rosette erinnert daran, dass auch Christen in der Nachfolge oft ihr persönliches Stück Kreuz zu tragen haben.

Weltkugelleuchter oder Globusleuchter

Ein Globus (lateinisch für Kugel) ist ein verkleinertes, kugelförmiges Modell der Erde.                            Anschaulich lassen sich Flug- und Schiffsrouten darstellen. Der älteste, heute noch erhaltene Erdglobus ist Martin Behains Erdapfel, welcher 1492 von ihm in Nürnbeerg geschaffen wurde und heute im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg aufbewahrt wird.      

                                                      

Das Lied EG 266: Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen (The day Thou gavest, Lord, is ended)  aus der Weltgebetstags-Liturgie veranschaulicht beispielhaft die Wirkung des die Welt umspannenden Gebets.

 Solidaritätsleuchter (weltweite Gerechtigkeit) oder Äquatorleuchter – (Band der Verbundenheit)

Der Ringkreis, gedacht für 24 Flachkerzen (Teelichter), erinnert an die Menschwerdung Gottes an Weihnachten, 24.12., und an Johanni, 24.6. (Joh 3,30 Christus muss wachsen. Ich aber muss abnehmen). Die Hoffnungslichter sind auf einem Ring gleichmäßig (4×6) verteilt und liegen direkt auf der Äquatorlinie, die die Nordhälfte und die Südhälfte der Erdkugel teilt. Der Ring (ohne Anfang und Ende als Zeichen für die Unendlichkeit) umspannt die Kontinente, Erdteile und Kulturkreise wie einen solidarischen Kranz und erinnert an Themen, die uns alle am Herzen liegen (wie Gleichheit und Brüderlichkeit, Gerechtigkeit und Menschenwürde).

Bewegungsleuchter

(Verantwortung für die Schöpfung)

Die Erde dreht sich. Nur, weil die Erde sich bewegt, können wir auf ihr leben; denn diese Bewegung sorgt für den Rhythmus von Tag und Nacht, Sommer und Winter, Arbeit und Freizeit. Auch Ruhe und Urlaub verdanken wir dieser Bewegung, die sich in der leichten Vibration des Leuchters mitteilt, wenn man eine Kerze entzündet. Gleichzeitig mahnt uns dieses leichte Zittern, sensibel und behutsam mit der Erde umzugehen und die eigene Kraft und Neugier nicht zum Maßstab unseres Tuns zu machen, so wie manche Menschen mit der Erde umgehen, als hätten sie eine zweite im Keller.

Christuslichtleuchter

Das Kreuz über der Weltkugel korrespondiert mit dem Christuslicht im Inneren und macht deutlich, woher Christen Licht und Wärme für ihr Leben und die ganze Schöpfung erwarten.

Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt! (Joh 8,12).

Die Leuchterkrone strahlt nach außen und ist zugleich nach innen zentriert. Je nach Anlass lassen sich die verschiedenen Schwerpunkte betonen, z.B. die Funktion der mittleren Kerze bei Christusfesten im Kirchenjahr, wie Weihnachten und Ostern.

 

Die vielen Einzellichter auf dem Ringkreis bei Gemeindefesten oder zu Pfingsten.

Bei Taufen können Eltern, Großeltern und Paten Kerzen für ihr Kind anzünden.

Gleiches gilt beim Taufgedächtnis der Konfirmanden oder in der Osternacht.

 

OIKUMENE

  • Ihr alle seid durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. (Gal 3,26)

Der Apostel Paulus schreibt diesen Satz an die Gemeinden in Galatien, in denen es Probleme gibt, weil dort einige den anderen das Christ-Sein absprechen wollen. Dagegen hält Paulus, dass ausnahmslos alle, die getauft sind, Kinder Gottes sind. Die Taufe ist unter anderem auch der Zuspruch, dass Gott dieses Kind als sein Kind annimmt. Gott ‚verpflichtet‘ sich sozusagen selbst, sich des Menschen anzunehmen und sich um ihn zu kümmern.

  • Oikumene

Der Begriff der Ökumene ist abgeleitet vom altgriechischen Wort „oikein“. Das bedeutet wörtlich übersetzt „die ganze bewohnte Erde“ und bezeichnet die Gesamtheit der Christen und der christlichen Kirchen. Die ökumenische Bewegung ist eine Bewegung im Christentum, die eine weltweite Einigung und Zusammenarbeit der verschiedenen Konfessionen anstrebt. Sie ging zunächst von der evangelischen Seite aus und führte 1948 zur Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK).

Kerzenleuchter

Die Kerze brennt nicht aus sich selbst, sie wird entzündet. Eine Kerze verzehrt sich in ihrer Bestimmung und wird unaufhaltsam zu Licht und Glut. Dabei verbrauchen sich die kleinen Teelichter in ihrem Leuchten schneller, als das Licht in der Mitte. Doch die Summe ihrer vielen kleinen Flammen erleuchtet den Erdkreis. Sie erinnert an die Zusage Jesu: „Ihr seid das Licht der Welt“ (Mt 5,14). Mit einer Kerze betet essich nicht nur leichter, man kann auch, eine Kerze vor Augen, konzentrierter über sich und andere nachdenken.

In diesem Sinne,

liebe Beterin, lieber Beter

wünsche ich Ihnen

kleine, konkrete Hoffnungen

für hier – heute und morgen…

Bleiben Sie behütet und gesund.

Ihr Pfarrer Markus Pöllinger

St. Matthäus Vach

beim 1. Gottesdienst nach der Lockerung am 10. Mai 2020