Kleine Geschichte des Vacher Kindergartens

zum 118-jährigen Gründungsjubiläum

„Christus spricht: Wer ein Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf.“ (Matthäus 18, 5)

„Glaube, Hoffnung, Liebe“ (1, Korinther 13,13)

1903: Die Anfänge

Am 22. November 1903 findet sich ein erster Hinweis des damaligen Vacher Pfarrers Stahl im Protokollbuch des Kirchenvorstandes. Ein Konzert zugunsten der Errichtung einer Kinderbewahranstalt zu Vach wurde angekündigt. Ein paar Monate später wurde es dann schon konkreter: Am 24. April 1904 findet sich dort folgender Eintrag: „… Danach besprach man sich über die Errichtung einer Kinderbewahranstalt dahier.“

1904: Die Eröffnung

Aus dem Verkündbuch der Kirchengemeinde Vach 1897 – 1905:
7. Sonntag nach Trinitatis – 17. Juli 1904
„Nachdem bereits im Laufe der vergangenen Woche eine Anzahl Kinder zum Besuche der mit des Herrn Hilfe neu gegründeten Kinderbewahranstalt dahier angemeldet worden sind, werden die noch in Betracht kommenden Eltern ersucht, im Laufe des heutigen Sonntags ihre Kleinen im hiesigen Pfarrhause anzumelden.
So ist denn Gottlob! der Anfang gemacht. Möge der liebe göttliche Kinderfreund der Anstalt sowie alle, die darin ein- und ausgehen und in ihr wirken, mit seinem HL Geiste begnadigen und das begonnene neue Werk zu seiner Ehre, zum Wohle der lieben Kleinen und ihrer Eltern und zum Segen unserer Kirchen- und Pfarrgemeinde wachsen, blühen und gedeihen lassen. Das walte Gott der Vater, Sohn und HL Geist! Amen.

Zum Schlusse gebe ich bekannt, daß die Kinderschule morgen, Montag, früh 8 Uhr im unteren Schulzimmer des alten Schulhauses, so Gott will, eröffnet werden wird. Die verehrlichen Mitglieder des Ausschusses der Kinderbewahranstalt, sowie die Eltern und Freunde der lieben Kleinen werden zur Teilnahme an der einfachen kurzen Eröffnungsfeier hiermit geziemend eingeladen.“

Vom ersten Tag an besuchten 33 Kinder den Kindergarten . Die Öffnungszeiten waren 9.00 bis 11.30 Uhr. Schon eine Woche später wurde bekanntgegeben, es wäre noch Platz und es könnten auch Kinder im Alter von 3½, 3¼ und sogar 3 Jahren aufgenommen werden.
Betreut wurden die Kinder von Fräulein Klara Pfeiffer, die ein Jahr lang ehrenamtlich (!) den Kindergarten führte. Sie war in Neuendettelsau als Kleinkinder-Schulschwester ausgebildet worden.

1905: Von der Kinderbewahranstalt

In Vach wurde 1905 ein Diakonieverein gegründet. Direktor Bezzel, der Leiter des Diakonissen-Mutterhauses Neuendettelsau führte Diakonisse Hortense Splitgerber als Kleinkinder-Schulschwester und Handarbeitslehrerin in einem festlichen Gottesdienst in ihr Amt ein. Bis 1913 wurde die Kleinkinderbewahranstalt von Neuendettelsauer Diakonissen (nach Schwester Hortens Splitgerber kam Schwester Lina Süssenguth) geleitet, anschließend kamen zwei ‚weltliche‘, aber in Neuendettelsau ausgebildete ‚Kinderschul-Schwestern‘, Frl. Margarete Hecker und Frl. Johanna Scholler.
Finanziert wurde die Einrichtung, dem Kirchenvorstandsbeschluss entsprechend, aus Spenden der Gemeindeglieder, aus den (geringen) Elternbeiträgen und aus Zuwendungen des Johannisvereins für freiwillige Armenpflege in Bayern.

Kinderbewahranstalt

Das Bild war im Besitz der Famile Eisermann. Die Aufnahme stammt vermutlich aus dem Jahr 1906

Die wichtigste Einnahmequelle war aber über Jahrzehnte hinweg der Ertrag einer Glücksbude zur Vacher Kirchweih, die, wie es alte Rechnungsbelege aus diesen Jahren zeigen, offenbar reichlich bestückt war mit allerlei nützlichen Gegenständen – vom Besen bis zum Kartoffelstampfer.

1920: Das vorläufige Aus

Aus dem Verkündbuch der Kirchengemeinde Vach 1916 – 1920:
17. Sonntag nach Trinitatis – 26. September 1920
„Da die Kinderschule ihr bisheriges Zimmer als Schul-Lokal abgeben muß und ein anderes Lokal sich noch nicht finden konnte, wird dieselbe bis auf Weiteres aufgehoben. Frl. Johanna Scholler, die Leiterin der Kinderschule, verlässt deswegen Vach.“

1947: Und so ging’s weiter

Aus der Pfarrgeschichte, die am 22. Juni 1947 in den Turmknopf eingelegt wurde:
„1932 baute sich die Gemeinschaft (gemeint ist die heutige Landeskirchliche Gemeinschaft Hensoltshöhe – Anm.d.Verfass.) im Anwesen des Büttnermeisters Ott in der Sommergasse einen eigenen Saal, richtete eine Schwesternstation der Hensoltshöher Schwestern ein und betrieb ab 1933 eine Kinderschule, nachdem die kirchliche Kinderschule bereits 1920 wegen Raummangels und der schwierigen Zeiten halber eingestellt werden mußte.“

Die Zeit von 1945 bis 1954

Eine ganz neue Ära des Vacher Kindergartens begann, als 1945 Schwester Marie Eisenmann die Leitung übernahm. Sie hat über 30 Jahre hinweg die Kindergarten-Arbeit in Vach geprägt. In diesem Jahr wurde auch die Trägerschaft des Kindergartens wieder von der Kirchengemeinde übernommen.
Allerdings waren die Jahre nach dem Krieg noch von sehr viel Armut geprägt. Viele Frauen halfen beim Wiederaufbau von Staat und Familie und gingen zur Arbeit.
Festgesetzte Öffnungszeiten im Kindergarten gab es nicht. Von montags bis samstags, von etwa 6 Uhr morgens, wenn der erste Bus von Hüttendorf kam, bis 8 Uhr abends betreute Schwester Marie die Kleinen der Gemeinde.
Auch nach Altersgrenzen wurden in diesen Zeiten des Wiederaufbaus nicht gefragt. 60 bis 80 Kinder, teilweise noch im Wickelalter wurden betreut. Nur ab und zu standen Schwester Marie ehrenamtlich Frauen der Gemeinde zur Seite.
Am Samstag musste zusätzlich noch das „Finanzwesen“ erledigt werden. 50 Pfennige bezahlten die Familien für die Betreuung eines Kindes pro Woche.
Der Tag war angefüllt mit Singen, mit Erzählen von Märchen und biblischen Geschichten, mit Kreis- und Fingerspielen. Als Spielmaterial stand zunächst nur eine Kiste mit Bauklötzen zur Verfügung. Auch für Bastelmaterial fehlte das Geld. Besonders das Erzählen war die „Gottesgabe“ von Schwester Marie. So konnte sie die Kinderschar fesseln und einigermaßen ruhig halten.
Im Hof des Büttnermeisters Ott wurde bei schönem Wetter gespielt. Ein großes Rad eines Heuwagens diente als Karussell. Auch Spaziergänge zum Felsenkeller standen in der schönen Jahreszeit auf dem Tagesplan.
Schwester Marie verstand es auch, die großen christlichen Festtage den Kindern nahezubringen. Weihnachtsfeier und das Erntedankfest waren für Kinder und Eltern unvergessliche Erlebnisse.

1954/1955: Die neue Kinderschule

Auszug aus dem Abkündbuch der Kirchengemeinde Vach
19. September 1954 – Kirchweihfest
„… Heute, an diesem Festtag, sei die Gelegenheit wahrgenommen, der Gemeinde in aller Ordnung bekanntzugeben, daß, so Gott will, der Neubau der Kinderschule im kommenden Frühjahr in Angriff genommen werden kann auf dem von der Kirchengemeinde im vergangenen Jahr zu diesem Zweck erworbenen Anwesen Nr. 89. Durch das Zusammenwirken und -helfen von verschiedenen Personen, Kräften und Stellen aus der Gemeinde selbst und von außerhalb der Gemeinde konnte der Hauptteil der Finanzierung des Baus gesichert werden.

….Planung, Vorbereitung und bisherige Durchführung des vorgesehenen Werkes geschah nicht aus irgendwelchen persönlichen oder sonstigen Beweggründen, sondern aus der Verantwortung des Kirchenvorstands für die ganze Gemeinde und für das christliche Leben in der Gemeinde. Auch dieser Bau soll in unserer Gemeinde ein Ort sein, da seine Ehre wohnt, und soll eine Stätte sein, die wir lieb gewinnen um der Arbeit willen, die in seinem Namen an unsere Jugend weitergegeben werden soll.“

Mit diesem Beschluss war der Anfang gemacht. Schon im Juni 1955 wurde Richtfest gefeiert. Viele Gemeindeglieder leisteten kräftig Hand- und Spanndienste beim Bau. So konnte am Ewigkeitssonntag, 20. Nov. 1955, der neue evangelische Kindergarten von Herrn Dekan Rieger, Fürth, und dem damaligen Ortspfarrer Lindner im Beisein der Gemeinde feierlich eingeweiht werden.
Große, helle Räume, eine Zentralheizung, der wunderschöne Parkettfußboden, große Fensterfronten und nicht zuletzt der Garten waren „wie das Paradies“ und wurden entsprechend gepflegt.