Bundespräsident a.D. Joachim Gauck sagt über 30 Jahre Deutsche Einheit, es habe einfach ein unglaubliches Ausmaß an Wandel in den täglichen Dingen gegeben. Viele hätten sich Vollkommenheit ersehnt. Sie erlebten nicht eine Enttäuschung, aber die Realität.

Siehe: https://www.zdf.de/nachrichten/heute-journal/joachim-gauck-es-ist-schoen-aber-nicht-vollkommen-100.html

Joachim Gauck wird 1940 in Rostock geboren. Nach dem Abitur studiert er Theologie. Von 1965 bis 1990 steht er im Dienst der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs und arbeitet viele Jahre als Pastor.

Schon als Jugendlicher tritt Joachim Gauck in Opposition zur Diktatur in der DDR. 1989 gehört er zu den Mitbegründern des Neuen Forums und wird in Rostock dessen Sprecher. Joachim Gauck ist Mitinitiator des kirchlichen und öffentlichen Widerstands gegen die SED-Diktatur. Er leitet die wöchentlichen „Friedensgebete“, aus denen die Protestdemonstrationen hervorgehen.

Im März 1990 zieht Joachim Gauck als Abgeordneter der Bürgerbewegungen, die sich im Bündnis 90 zusammengeschlossen hatten, in die zum ersten Mal frei gewählte Volkskammer ein. Joachim Gauck wird zum Vorsitzenden des Parlamentarischen Sonderausschusses zur Kontrolle der Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit gewählt. Zum 3. Oktober 1990 beruft ihn Bundespräsident Richard von Weizsäcker auf Vorschlag der Bundesregierung zum Sonderbeauftragten der Bundesregierung für die personenbezogenen Unterlagen des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes. Von 1991 bis 2000 ist Joachim Gauck Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR.

Von 2001 bis 2004 ist Joachim Gauck deutsches Mitglied des Verwaltungsrates der Europäischen Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in Wien.

2003 wird er Bundesvorsitzender der Vereinigung „Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V.“

Am 18. März 2012 wählt die Bundesversammlung Joachim Gauck zum elften Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland.

„Die Freiheit der Erwachsenen heißt Verantwortung“ – unter dieser Leitlinie ermutigt Bundespräsident Joachim Gauck die in Deutschland lebenden Menschen – Einheimische ebenso wie Eingewanderte –, ihr Leben aktiv als Bürger zu gestalten und Verantwortung für sich und andere zu übernehmen: „Mögen Ängste uns auch begleiten: Wir lassen uns das Vertrauen zu uns selbst und zu unserer Demokratie nicht nehmen.“

Joachim Gauck sieht die Bundesrepublik als „das beste Deutschland, das wir jemals hatten“: wegen der Herrschaft des Rechts, der stabilen Demokratie, der gesicherten Bürgerrechte; aber auch wegen des inneren Friedens, der befördert wurde durch einen weit entwickelten Sozialstaat und durch eine wirtschaftliche Entwicklung, die zu einem Wohlstand für viele geführt hat. Dieses Deutschland gelte es zu stabilisieren und gegen nationalistische, populistische und demokratiefeindliche Bedrohungen zu verteidigen, egal, von welcher Seite sie kommen. Dieses Deutschland – so seine Überzeugung – möge auch mehr Verantwortung übernehmen für die Stabilisierung eines friedlichen und demokratischen Europas und – soweit dies möglich sei – für die friedliche Entwicklung der Welt.

Auch in der jungen Geschichte der Nordkirche hat Gauck seine Spuren hinterlassen: Er war beim Gründungs-Gottesdienst dabei, der zu Pfingsten 2012 im Ratzeburger Dom stattfand. Sein Manuskript legte er bei seiner Rede damals beiseite und sprach frei zu den Besuchern. Er stehe ohnehin nicht als Bundespräsident vor ihnen, sondern als Christenmensch. „Einmal Pastor – immer Pastor“, sagte Gauck. Einen Besuch beim Hamburger Kirchentag im Mai 2013 ließ Gauck sich ebenfalls nicht nehmen. Er eröffnete die Veranstaltung bei einem Gottesdienst in der Hafencity und nahm an einer Diskussionsrunde zur Zukunft der Gesellschaft teil.