MännerRunde Vach lädt ein zum Themen-Abend:

Hermann Rusam – Die Geschichte der jüdischen Gemeinde Nürnbergs ab 1850

am 19. April 2023 

um 19.30 Uhr

im Kantorat St. Matthäus Vach

Brückenstr. 5, 90768 Fürth-Vach

Im späten Mittelalter besaß Nürnberg eine der zahlenmäßig größten Judengemeinden Mitteleuropas. Erste urkundliche Erwähnung 1146. 

Unter Kaiser Karl IV. kam es 1349 zu einem schweren Pogrom mit mehr als 500! Opfern. Auf den Grundmauern der zerstörten Synagoge wurde die Frauenkirche am Hauptmarkt erbaut. 1499 erfolgte die endgültige Vertreibung auf Verfügung Königs Maximilians. Erst 1850 erhielt der Hopfenhändler Joseph Kohn aus Markt Erlbach wieder das Nürnberger Bürgerrecht. Es begann der Zuzug jüdischer Familien in das wirtschaftlich boomende Nürnberg. 1870 wurde der Grundstein für die neue Synagoge am Hans-Sachs-Platz am Pegnitz-Ufer gelegt.

Die prachtvolle Synagoge im maurischen Baustil hatte 564 Männersitze und 389 Frauensitze. Im Jahre 1930 lebten, wohnten und arbeiteten in Nürnberg 10.200 Juden, d.h. 2,4 % d. Bevölkerung Nürmberg

Die neue Synagoge von 1870 war am Hans-Sachs-Platz am Pegnitz-Ufer gelegen

Prof. Dr. Hermann Rusam ist ein Experte für Nürnberger Lokalgeschichte und jüdische Geschichte in Franken.

Seit Ende der 1980er Jahre ist in der Synagoge der sog. „Judenstein“ zu sehen; es ist ein aus Sandstein gemeißelter Aufsatz des Thoraschreins, der aus spätmittelalterlicher Zeit stammt und über die Jahrhunderte hinweg gerettet wurde.

Zahlreiche Nürnberger und Fürther Juden hatten vor der NS-Machtergreifung eine starke wirtschaftliche Stellung inne; so stellten stellten sie einen hohen Anteil an den Unternehmern, Kaufleuten, Bankies und Akademikern der Stadt. Der exportorientierte Hopfenhandel war in Nürnberg fast komplett in jüdischer Hand. Die Metallwaren- und Spielzeugfabrik „Bing AG“ (vor dem 1.WK „größte Spielwarenfabrik der Welt“) hatte z.B. 1920 ca. 18.000 Mitarbeiter. 

Allerdings auch die antijüdische Hetzschrift „Der Stürmer“ des gewissenlosen Hetzers Julius Streicher entstand in Nürnberg. Am 1. April 1933 kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen gegen jüdische Bürger.

Der so genannte Arierparagraph, der den Nachweis »arischer«, d. h. nichtjüdischer Abstammung verlangte, bedeutete für viele Menschen Berufsverbot. Beamte, Richter, Professoren, Rechtsanwälte, Ärzte, Apotheker, Journalisten und Schauspieler wurden beurlaubt, später entlassen oder verloren ihre Zulassungen. Gewerbetreibende wurden von dem Vergabewesen der öffentlichen Hand ausgeschlossen. Nichtjüdische Unternehmen entließen bereits jüdische Angestellte. Damit begann eine strukturelle Verarmung der Juden, die sich in den folgenden Jahren noch verstärkte. Im Sommer 1933 wurden alle Juden aus Berufsverbänden und Vereinen, namentlich aus den Hamburger Sportvereinen und Bürgervereinen, ausgeschlossen. Juden galten öffentlich als »unerwünscht«, auch in Hotels und Gaststätten. Jüdische Schüler wurden zunehmend aus staatlichen Schulen verdrängt. Die gleichgeschalteten Tageszeitungen diffamierten Juden.

1938, noch vor der Pogromnacht im Nov., wurde die Hauptsynagoge im Zuge einer „städtebaulichen Anordnung über die Neugestaltung der Stadt der Reichsparteitage Nürnberg“, abgerissen. Der Novemberpogrom von 1938 führte auch in Nürnberg zu massiven Gewalttaten mit 19 Toten.

Ab 1941 kam es dann zu einer großer Auswanderung bzw. Deportationen  Nürnberger Juden in Ghettos, Lager und KZ´s.

Mehr als 1600 jüdische Bürger Nürnbergs fielen dem Holocaust zum Opfer, nur 40 konnten das Kriegsende in der Stadt überleben.

Sehr wenige der Überlebenden kehrten nach 1945 nach Nürnberg zurück und gründeten eine neue Israelitische Kultusgemeinde. 1984  wurde ein neues Gemeindezentrum, bestehend aus einem Altenheim, einer Synagoge und Verwaltungsräumen, seiner Bestimmung übergeben.

Im Jahre 2016 konnte die jüdische Gemeinde einen Neubau ihres Gemeindezentrum einweihen. Im Inneren der Synagoge ist der sog. „Judenstein“ zu sehen, ein Wahrzeichen aus den Tagen vor der Vertreibung der Juden aus Nürnberg, 1499.

Im Jahr 2023 zählt die jüdische Gemeinde ca. 2200 Angehörige.

Mittwoch , 19. April 2023 /

19.30 Uhr  

„ Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Nürnberg (seit 1850)

Referent: Prof. Dr. Hermann Rusam

(Vortrag mit Bildern)

Zusatzinformation als pdf hier: 230419 Gesch jüd Gem Nbg final

Herzliche Einladung 

Pfarrer Markus Pöllinger  – Heinz Landler – Team der Männerrunde Vach