Liebe Mitchristen, liebe Leserinnen und Leser,
liebe Freundinnen und Freunde von St. Matthäus Vach!

Sie sehen heute ein Bild. Es zeigt die Baustelle Neubau des Evangelischen Kindergartens am Schönblick in Vach.
Vorne auf dem Bild
die notdürftig aufgeschotterte Behelfsstraße.                                                                                                                                                                            Leitungsrohre liegen am Straßenrand.
Und dann daneben ein
aufgeschütteter Erdwall.

Ganz im Hintergrund
des Bildes leuchtet im Abendrot
die Kirchturmspitze unserer schönen, 960 Jahre alten St. Matthäus-Kirche von Vach.

Dieses Bild passt ganz treffend zur gegenwärtigen Situation unserer Tage.
Die Entscheidung von „Ausgangsbeschränkungen“ und das „Einstellen sozialer Kontakte“ war richtig angesichts der Corona-Pandemie.

So entfallen auch alle Gottesdienste in der Vacher St. Matthäus-Kirche.

Auch die Konfirmation, auf die wir uns mit den Jugendlichen so sehr freuten.

Im Jahr 2020 werden wir Ostern ganz anders feiern.

Die Passions- und Ostergottesdienste sind abgesagt, alle Gruppen und Kreise richten sich danach.

Verzicht ist angesagt.
Wie durch einen „Wall“ sind wir voneinander getrennt. So wie es das Bild zeigt.

Es fällt vielen Menschen schwer, auch mir, Verbindungen zu reduzieren.
Aber es ist notwendig, damit Neues entstehen kann.
Kreativität ist gefragt.
Verzicht kann auch bedeuten Neues kann entstehen.
„Das haben wir noch nie erlebt“, sagen mir Menschen,
obwohl es in den vergangenen Jahrhunderten auch Katastrophen und Kriege gab.

Ich leide vor allem darunter, dass die Passions-, und Ostergottesdienste ausfallen müssen.
Gerade in der Heiligen Woche, wie wir sie nennen im Christentum: Angefangen von Gründonnerstag mit der Einsetzung des Heiligen Abendmahls, dem Karfreitag, Tag der Kreuzigung unseres Herrn Jesus Christus und Grabesstille, bis hin zu der Osternacht und dem Osterfest mit der Freude und dem Jubel, Christus lebt – er ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Freue dich, christliche Gemeinde. Es wird nach der Nacht wieder hell.
Das zeigt auch mein Bild. Auch, wenn es diese Zeit braucht.

Für mich stellt sich die Frage: Was macht das alles mit uns?
Was macht das mit unserer Gesellschaft?
Ganz persönlich stellt sich mir die Frage:
Was ist mir jetzt in dieser Zeit wichtig?
Vertraue ich darauf, dass Verzicht auch Neues schaffen kann? Behalte ich frohen Mut?

Es schmerzt mich gerade als Gemeindepfarrer, dass Gottesdienste ausfallen müssen.
Einige Menschen sagen mir, da fehlt mir die Kirche, mitten im Ort, sie ist mir zur Heimat geworden. Ich brauche die Gemeinschaft real vor Ort, nicht nur in den Medien. Anderen fällt es leichter fern zu bleiben. Zuweilen höre ich auch die Stimme: Gott baucht kein Haus, zu Gott kann ich überall beten.
Ja, Gott braucht kein Gebäude, aber wir brauchen Kirchen, sakrale Räume, wo wir als Christen Zuflucht finden, Gemeinschaft unter Gottes Wort finden, zusammen Abendmahl feiern – uns gegenseitig stärken – uns Gottes Segen zusprechen lassen – Kraft für den Alltag bekommen.
Vielleicht, nein, ich bin mir sicher, Verzicht kann auch neue Freude schenken – wieder nach dieser Zeit der Corona-Krise
den Gottesdienst zu besuchen. Ich vertraue darauf.
Ich freue mich auf Sie alle…
Bis bald!


Das Abendrot bedeutet für mich: “Es wird nicht dunkel bleiben über den Menschen, die in Angst sind (Jes 8,23).“ Corona hat nicht das letzte Wort, sondern unser Herr Jesus Christus.
Er behüte uns alle.
Und die, die Sie krank sind, werden Sie gesund.
Bleiben Sie gesund und behütet an Leib und Seele.

Ihr Pfarrer Markus Pöllinger