Eine Welturaufführung fand am Sonntag, den 24.7.2022 um 16 Uhr in der Vacher St. Matthäus-Kirche statt.

Der Kinder- und Jugendchor unter der Leitung von Nadine Schon führte erstmalig ein Kindermusical nach dem gleichnamigen Titel des Kinderbuches von Max Bolliger „Die Kinderbrücke“ auf.

Für den richtigen Ton sorgt der Ausnahmepianist Chilli.

Hier die besten Bilder:

 

Die Kinder des Kinderchors von St. Matthäus Vach auf der steinernen Regnitzbrücke, einst 1761 durch Markgraf Christian Friedrich Karl Alexander von Ansbach erbaut.

DIE KINDERBRÜCKE

An einem Fluss wohnten zwei Bauern; der eine am rechten, der andere am linken Ufer. Die beiden Bauern waren neidisch aufeinander, denn beide würden lieber am anderen Ufer wohnen. Doch die Kinder der Bauern teilen schöne Dinge und bauen gemeinsam eine Steinbrücke. Durch sie finden die Bauern zueinander.

Eine Geschichte über die Erkenntnis, dass das Leben viel schöner ist, wenn man gemeinsam – wortwörtlich – Brücken baut und aufeinander zugeht.

In der christlichen Tradition der Ökumene, der sich die Kirchengemeinde St. Matthäus Vach verbunden weiß, bedeutet dies „Einheit in versöhnter Verschiedenheit.“ Dabei setzt die Kirchengemeinde auf die Kinder, die offen sind Konflikte durch Begegnung, Kennenlernen und Gespräch kooperativ zu lösen und somit Frieden und Freundschaft stiften.

Hier ein paar sinnvolle Regeln, damit man nicht selbst in einen Streit hineingezogen wird:

  • dass wir miteinander reden und nicht gegeneinander arbeiten,
  • dass wir Vielfalt aushalten und vielleicht schätzen lernen,
  • dass wir andere in ihrer Unterschiedlichkeit annehmen,
  • dass wir, was wir nicht mögen, nicht zu eng sehen,
  • dass wir, wenn bei uns gegenüber sowas wie Neid aufkommt, erstmal innehalten und überlegen: Was haben wir alles geschenkt bekommen?

 

https://www.youtube.com/watch?v=Q_ULYGBdDvE

„Die Kinderbrücke“ – Geschichte
An einem Fluss wohnten zwei Bauern, der eine am rechte, der
andere am linken Ufer. Auf dem Wasser schwammen Enten und
Schwäne. Sie freuten sich, dass die Sonne am Morgen auf – und am
Abend wieder unterging. Die Enten und Schwäne sonnten sich am
Morgen am linken und am Abend am rechten Ufer. Die beiden
Bauern aber waren neidisch aufeinander. Der eine hätte lieber am
rechten, der andere lieber am linken Ufer gewohnt. Wenn sie
morgens pflügten, schimpfte der eine, weil das Feld seines Nachbarn
an der Sonne und sein eigenes im Schatten lag. Und wenn sie abends
Holz hackten, schimpfte der andere, weil das Haus seines Nachbarn
an der Sonne und sein eigenes im Schatten lag. Auch die Frauen der
Bauern waren unzufrieden, die eine am Morgen, die andere am
Abend. Eines Morgens, als die beiden Frauen Wäsche aufhängten,
schrie die eine, die am rechten Ufer wohnte, ein böses Wort zum
linken Ufer hinüber. Und am Abend, als die beiden Frauen die
Wäsche abnahmen, gab die andere, die am linken Ufer wohnte, das
böse Wort zurück. Das ließen sich die Männer nicht gefallen. Sie
sammelten große Steine und versuchten, einander damit zu treffen.
Doch der Fluss war so breit, dass die Steine ihr Ziel verfehlten und ins
Wasser plumpsten. Nur mittags, wenn die Sonne hoch stand,
herrschten Ruhe und Frieden. Die Kühe, die Pferde, die Ziegen und
Schafe flüchteten sich in den Schatten, und die Bauern mit ihren
Frauen schnarchten unter einem Apfelbaum, die einen am linken, die
anderen am rechten Ufer. Die beiden Kinder der Bauern aber saßen
am Wasser und langweilten sich. Das eine schaute zum linken, das
andere zum rechten Ufer hinüber. Wenn ich doch eine Ente wäre,
dachte das eine. Wenn ich doch ein Schwan wäre, dachte das andere.
Doch eines schönen Tages, als die Kinder wieder an den Fluss kamen,
war der Wasserspiegel gesunken, und aus dem Wasser ragten so
viele große Steine, dass die Kinder darüber hüpfen konnten. Sie
trafen in der Mitte zusammen. Sie betrachteten sich lange und
freuten sich, dass sie beide Kinder waren, das eine ein Junge und das
andere ein Mädchen. Sie setzten sich auf einen großen Stein. Sie
betrachteten die Enten und die Schwäne. Doch dann fingen sie an,
sich Geschichten zu erzählen, Geschichten vom linken und
Geschichten vom rechten Ufer. Das Mädchen und der Junge
verstanden sich so gut, dass sie nun jeden Mittag über die Steine
hüpften, um sich in der Mitte zu treffen.
Die Eltern wunderten sich, woher ihre Kinder plötzlich Dinge
wussten, von denen sie selbst noch nie gehört hatten. Doch eines
Tages, nach einem langen Regen, hörten die Kinder auf, Geschichten
zu erzählen. Sie hörten auf zu lachen und zu singen. Das Wasser im
Fluss war wieder angestiegen und die Kinderbrücke verschwunden.
Da erfuhren die Eltern endlich das Mittagsgeheimnis ihrer Kinder,
und sie fingen an nachzudenken. Und als sie lange genug
nachgedacht hatten, beschlossen sie, zusammen mit den Kindern aus
den übrig gebliebenen Steinen eine Brücke zu bauen. Eine Brücke, so
rund und schön wie der Bogen, den die Sonne am Himmel
beschreibt.
(Max Bollinger, Stepan Zavrel, Die Kinderbrücke, Bohem Press, 1991)


Herzliche Einladung

Markus Pöllinger

Pfarrer von St. Matthäus Vach