Die Menschen in Vach sind im letzten Monat erschüttert worden. Ein Kind aus unserer Mitte ertrank. Da kommen die Themen Tod und Trauer in der schönsten Jahreszeit auf den Tisch, ganz unerwartet und man muss sich fragen: „Wie gehe ich damit um, habe ich Antworten? Wer hilft in der Not und kann den weggezogenen Boden zumindest soweit stabilisieren, damit man wieder einen Halt findet?“ In einer akuten Notsituation gibt es die Einrichtung der Notfallseelsorge.

Für wen ist die Notfallseelsorge da? Notfallseelsorge ist da für Menschen in Not. Opfer, Hinterbliebene, Angehörige…

Wer macht Notfallseelsorge und was geschieht in der Notfallseelsorge? Die Notfallseelsorge (NFS) wird in ökumenischer Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen aus den Kirchengemeinden ausgeübt. Oft arbeitet die NFS auch mit Kriseninterventionsteams (KIT) unterschiedlicher Hilfsorganisationen zusammen. So ist gewährleistet, dass die „psychosoziale Notfallversorgung“ (PSNV) an jedem Tag rund um die Uhr zu erreichen ist. Die PSNV wird in der Regel von Einsatzkräften der Rettungsorganisationen alarmiert und kümmert sich um Menschen, die in eine akute Krise geraten sind, z.B. wenn ein geliebter Mensch verstorben ist oder nach einem Verkehrsunfall. Als Notfallseelsorger/Innen helfen wir Menschen soweit es geht, wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen, in dem wir:

  • mit den Betroffenen den Schrecken aushalten und bei Ihnen sind
  • helfen, Verwandte und Freunde herbei holen, die sie in der nächsten Zeit weiter begleiten
  • helfen, die nächsten Stunden und Tage zu strukturieren, so dass sie sich wieder als handelnde Subjekte wahrnehmen

Unsere Einsätze dauern in der Regel zwischen zwei bis vier Stunden. Auf Wunsch vermitteln wir weitere Kontakte zu Hilfsdiensten und Kirchengemeinden. Wenn Kinder beteiligt sind, wird der Erwachsene besonders gefordert mit seiner persönlichen Auseinandersetzung mit dem Thema. Wie gehe ich mit Tod und Trauer um? Was darf ich sagen, was will ich sagen? Kann ich emotionale Empfindungen äußern? Schadet die Konfrontation mit dem Thema der Entwicklung des Kindes? Aber auch Fragen, wie ich in meiner Religiosität verankert bin und welche Handlungsstrategien finde ich im Glauben, um über eine Krise hinweg zu kommen?

Jeder Mensch trauert anders. Hat folglich auch andere Handlungsmuster und stellt sich ganz unterschiedlich der Situation. Das macht die Aufgabe der Begleitung nicht einfacher und doch ist es gut eine Person neben sich zu haben, die all dies mitträgt und aushält. Das ist die Aufgabe des Notfallseelsorgers. Daneben betreuen speziell ausgebildete Notfallseelsorger (Fachberater Notfallseelsorge) auch die Einsatzkräfte, die genauso ein Bedürfnis haben über belastende Einsätze zu sprechen, schockierende Bilder abzuarbeiten und einzusortieren.

Im Alltag der Einsatzkräfte werden wir nicht gerufen, aber es ist gut zu wissen, dass die Notfallseelsorge auch in diesem Bereich da ist.

Notfallseelsorger Christian Krause aus Fürth, St. Paul ist Rummelsberger Diakon und Systemischer Berater