Ende März oder Anfang April kehren die Störche wieder zu uns nach Vach zurück. Alte Storchenpaare (Störche werden bis 70 Jahre alt!) beziehen in der Regel ihr Nest vom letzten Jahr.

Bei uns in Vach steht das Nest auf dem Dach der ehemaligen Brauerei Dorn direkt neben dem evangelischen Kindergarten St. Matthäus.

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Fliegt ein fremder Storch an Nest an, so wehren die Nestbestitzer ihn mit lebhaften Klappern ab (Klapperstorch). Sie legen dabei den Kopf weit nach hinten und schlagen die beiden Schnabelhälften kräftig gegeneinander. Mitte April setzt sich das Weibchen auf das Nest, in das es 3-6 Eier gelegt hat. Die Eier werden jetzt etwa vier Wochen lang bebrütet. Während das Weibchen auf den Eiern sitzt, sucht das Männchen nach Nahrung auf den nahen Wiesen des Regnitzgrunds. Niemals verlassen Eltern gleichzeitig das Nest.Kopie (2) von Markus Mai Juni 2008 083Kopie (2) von Markus Mai Juni 2008 085

Wenn die jungen Störche Mitte Mai ausgeschlüpft sind, sind sie zunächst mit weißen Daunen besetzt und hocken sehr hilflos im Nest (Nesthocker). Erst nach zwei Monaten, Mitte Juli, wagen die Jungstöche erste Flugversuche.Bilder Storch 010

 

 

 

 

 

 

 

Dabei besuchen sie gerne die Vacher St. Matthäuskirche…

Die Bedeutung des Storches in der Bibel: Hebräisch chasidah.

In der Schrift werden drei Einzelheiten erwähnt, die den Storch betreffen:

1. Er baut sein Nest in den Zypressen (Ps 104,17). Das steht im Einklang mit den Eigenschaften des Storches: Er ist ein großer Vogel und sucht sich zum Nisten einen Baum, der hoch ist und zudem sein Nest gut abstützen kann.

2. Er wird als sich „am Himmel“ befindend dargestellt (Jer 8,7). Der Storch fliegt tatsächlich sehr hoch, besonders wenn er auf Wanderung ist.

3. Er hat kräftige Flügel (Sach 5,9). Das stimmt ebenfalls mit dem uns bekannten Storch überein, dessen Flügel sich bis auf mehr als 1,8 Meter ausbreiten können. Das o. g. hebräische Wort erscheint ebenfalls in Hiob 39,13, wo von des „Storches Fittich und Gefieder“ gesprochen wird.

Das Wort chasidah ist außerdem verwandt mit dem mit „barmherzig“ übersetzten Wort. Der Storch ist tatsächlich bekannt für seine bemerkenswert zarte Fürsorge, nicht nur für seine Jungen, sondern auch für die Alten.

 

 

 

 

 

 

 

Auch der Liederdichter Paul Gerhardt (1607-1676) erwähnt den Storch in seinem geistlichen Sommer-Lied: „Geh aus mein Herz, und suche Freud.“

4. Strophe: Die Glucke führt ihr Völklein aus,
der Storch baut und bewohnt sein Haus,
das Schwälblein speist die Jungen,
der schnelle Hirsch, das leichte Reh
ist froh und kommt aus seiner Höh
ins tiefe Gras gesprungen.

Paul Gerhardts Loblied auf die Schöpfung. Seine biblische Heimat ist der Psalm 104, wo im Vers 24 geschrieben ist: „Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.“

Sich diesem Lob der Schöpfung anzuschließen und einen pfleglichen Umgang mit derselben folgen zu lassen, sind wir alle aufgefordert. Es ist eine Binsenweisheit, dass unser alltägliches Leben mit dem Erhalt der Schöpfung schwerlich in Einklang zu bringen ist, weil über allem die Forderung nach mehr Wachstum und damit Konsum, schwebt. Unseren Kindern und Enkelkindern zuliebe sollten wir uns von der Vorstellung des immerwährenden Wachstums der Wirtschaft und der Technik als Bändiger der widerspenstigen Natur verabschieden.

Was es dabei zu gewinnen gibt, das sei allen frei nach Worten des dänischen Theologen Sören Kierkegaard (1813-1855), für den nächsten Ausflug ins Grüne mitgegeben:

Er lässt die Sonne scheinen für dich und wenn sie müde wird, geht der Mond auf und Er zündet die Sterne an – unsertwegen.
Er lässt den Winter kommen, der die Natur verkleidet, sie fremd tut, und das zu unserer Unterhaltung.
Er bringt den Frühling und Vögel kommen zu ungezählten Scharen – uns zur Freude. Das junge Gras lässt Er aufsprießen und
Er macht, dass der Wald schön ausschlägt, und Hochzeit hält – und das, um uns zu erfreuen.
Er schickt den Herbst, und die Vögel ziehen von dannen – nicht damit sie sich kostbar machen, sondern damit wir ihrer nicht leid werden.
Er tut den Schmuck des Waldes in die Truhe, bis aufs nächste Mal, will heißen, damit wir uns auch das nächste Mal freuen mögen!

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Schon Ende August sammeln sich alle Stöche einer Gegend auf sumpfingen Wiesen und fliegen nach dem Süden.