Liebe Leserin, lieber Leser,

als ich oben stehendes Wort las, dachte ich sogleich: ja, so könnte unsere Jahreslosung auch übersetzt werden. Das Wort aus dem Römerbrief heißt:

Nehmt einander an, wie Christus uns angenommen hat zu Gottes Lob.

Vor 2000 Jahren war dieses Wort so aktuell wie heute. Die Welt ist kleiner geworden, durch Fernsehn und Internet. Sie vermitteln uns täglich schockierende Bilder – Kriegsszenen, Flüchtlingselend, Ströme von Menschen in Hungersnot und Kälte – Kinder sterben, weil Medikamente fehlen… Menschen suchen bei uns Gastfreundschaft und Asyl.

Eindringlich höre ich: „Nehmt einander an! – Werde Mensch!“ Aber wie? Ist denn Platz für alle? Fragen, Probleme, Nöte hierund weltweit. Ältere Menschen erzählen mir, uns ging es ähnlich, 1945. Krieg, Armut, Not. Apelle helfen da wenig. Zupacken heißt es da. Sich einmischen, die Stimme für Verzweifelte, Ausgestoßene erheben. Es geht um Menschen, um Gerechtigkeit und Toleranz. Vergessene, nicht aufgearbeitete Lebensschicksale kommen bei Besuchen wieder hoch, zur Sprache. Da heißt es: Auch wir erfuhren damals viel Ablehnung, sagte mir eine Frau, aber mein Glaube und ein paar nette Menschen halfen uns, dass wir wieder eine Heimat fanden. Wir erlebten Gottes Hilfe. „Werde Mensch, dann bist Du Gott ganz nah“, höre ich im Hintergrund.

Das Flüchtlingselend ist so in unserer Welt verhaftet. – Ja, auch unser Heiland und mußte schon als Kind auf die Flucht gehen.Die Menschheit lernt leider nicht dazu. Und heute: 2015 wird uns dieses Losungswort zugemutet Nehmt einander an! Es ist wie ein Trainingsprogramm für 2015: Lernen wir doch einander wieder zuzuhören, zu verstehen, einander zu helfen. Zunächst vielleicht in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft, über alle Grenzen hinweg, weltweit.

Wer sich von Christus angenommen weiß, das ist wohl das Geheimnis, bekommt auch die Kraft andere anzunehmen. Wer selbst Hilfe erfahren hat, Versöhnung mit sich und anderern erlebt hat, dem wird das Herz aufgetan für Menschen unserer Zeit.

Üben wir es wieder ein.

Werde Mensch, dann bist du Gott ganz nah.

Gott segne Sie.

Bleiben Sie behütet

Ihr Pfarrer Markus Pöllinger