Im Evangelium nach Johannes im 12. Kapitel steht:

Als die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel! Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht (Sacharja 9,9): »Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.«

Johannes 12,12-15

 

Liebe Gemeinde,

manchmal kommt alles anders, als man denkt. Da erwarten die Israeliten vor 2000 Jahren, dass ihr Messias als König in Jerusalem einmarschieren wird. Sie erwarten, dass er alle Probleme auf einen Schlag lösen wird. Und was passiert? Jesus reitet auf einem Esel und wird gefangen und gekreuzigt. Für die Menschen, die ihn mit Palmzweigen empfangen haben, muss das eine ziemliche Enttäuschung gewesen sein.

Wir wissen heute, dass diese Enttäuschung unbegründet war. Denn Jesu Tod am Kreuz war nicht das Ende, vielmehr war es der Anfang. Durch seinen Kreuzestod für die Menschen konnte er als Messias die Versprechungen an uns wahr machen. Durch dieses Geschehen, mit dem keiner gerechnet hat, wurde alles anders. Und es hat funktioniert.

Am Palmsonntag wird bei uns in Vach traditionell Konfirmation gefeiert. Das wird das ganze Jahr über geplant. Die Gemeinde plant die Termine, macht Absprachen mit dem Posaunenchor und der musikalischen Begleitung. Die Konfirmanden und Konfirmandinnen werden im Konfi-Unterricht ein Jahr lang vom Pfarrer jede Woche auf die Konfirmation vorbereitet.

Die Konfi-Eltern planen ebenso. Familien werden eingeladen, ein Ort zum Feiern wird gebucht. Und es werden Anzüge und Kleider gekauft, in der Hoffnung, dass die Konfirmanden und Konfirmandinnen bis zur Konfirmation nicht einen Wachstumsschub haben und somit noch in die Kleidung passen. Alles wird bestens geplant, alles scheint in Stein gemeißelt.

Nicht aber dieses Jahr. Dieses Jahr ist am Palmsonntag alles anders. Wir feiern keine Konfirmation. Wir haben umsonst geplant. Wegen der aktuellen Lage muss alles verschoben werden. Das ist für die Konfirmanden und Konfirmandinnen, ihre Familien und uns als Gemeinde erstmal eine riesige Enttäuschung. Doch vielleicht kommt es auch bei uns wieder ganz anders. Wir verschieben die Konfirmation, sie wird jetzt im Sommer stattfinden. Vielleicht wird diese Feier, nachdem alles neu geplant und vorbereitet wurde, etwas ganz Besonderes. Vielleicht ist anders auch diesmal nicht schlechter, sondern sogar besser. Ich kann es heute noch nicht sagen. Aber ich hoffe es.

Ich hoffe, dass Sie aus dieser Zeit, in der man kaum das Haus verlassen darf und täglich neue erschreckende Zahlen von Erkrankten hört, Ihre Hoffnung behalten. Die Hoffnung darauf, dass die Zeit, die noch kommt, wenn alles vorüber ist, für die jetzige Zeit entschädigt. Dass auch in unserem Leben anders nicht schlechter heißt.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Palmsonntag, leider ohne Konfirmation. Ich wünsche Ihnen schöne Tage. Ich wünsche uns allen, dass wir uns bald wieder persönlich begegnen können und das nachholen, was wir jetzt verpassen. Dabei vertraue ich auf Gott, denn auch wenn alles anders ist, wird er es gut machen.

Ihr Pfarrer Julian Deusing