„Bach, Luther und die Musik“

Abendstimmung St. Matthäus Vach
Konzertorgel von St. Matthäus Vach

 

 

Die Matthäus-Nacht 2017 steht ganz im Zeichen von Johann Sebastian Bach.

Sie findet zum 8. Mal am 9.9.2017 statt.

Thema des Gesprächskonzertes ist „Bach – der ´fünfte Evangelist`“

Konzertorganist Dr. Gerald Fink spielt die Orgel…

Konzertkritik der Fürther Nachrichten hier! 20170911 Matthäusnacht Dr. Fink Bach FN 

 

Orgelvirtuose Dr. Gerald Fink spielt in Vach J.S.Bach

Ohne Luther kein Bach

Johann Sebastian Bach wurde in Eisenach geboren. Zweihundert Jahre zuvor ging hier Reformator Martin Luther in die Lateinschule. In Eisenach sind aus zufälligen Lebensgeschichten notwendige Kulturkreuzungen entstanden. Luther und Bach sangen jeweils in der Eisenacher Georgenkirche.

„Man vergisst, dass Bach ja wirklich Luthers Lehre aufgesogen hat, im Unterricht, in seiner Kindheit, jeden Tag ein Stück des Katechismus, Singen eines Lutherliedes, jeden Tag, von Montag bis Samstag. Und in Leipzig musste Bach seinerseits Katechismus Unterricht erteilen. Jeden Samstag um sieben Uhr wurden die Thomaner von ihm im Katechismus geprüft. Also der Luther war ihm in Fleisch und Blut übergegangen.“

Zur Erneuerung des Gottesdienstes setzte Luther auf die Macht der Musik, des selber gesungenen geistlichen Liedes.

„Das Gemeindegesangbuch ist, wenn man so will, die schönste Errungenschaft der Reformation. Vor der Reformation gab es keine Gesangbücher. Die Gesangbücher sind mit Luthers Liedern untrennbar verbunden.“

Der gesellschaftlich kulturelle Umbruch war also ein doppelt medialer: buchgestützter Gesang, Popularisierung reformatorischer Ideen durch Flugblätter. Sehr salopp gesagt, war das früher evangelischer Pop zum Mitsingen.

Das erste deutsche Gesangbuch von 1524, das Achtliederbuch, das Erfurter Enchiridion von 1527 und das große Kantorenbuch von 1530 sind nur drei Beispiele . Sie zeigen  eindrücklich wie sehr unsere Kultur buchgestützt ist. Erst der Buchdruck und die Popularisierung durch Flugblatt und Gesangbuch machte Reformation zum flächendeckenden Phänomen einer individualisierten Gewissensbefragung, Seelenveränderung und frühen Demokratisierung.
Johann Sebastian Bach hat in den seltensten Fällen eigene Choral Melodien komponiert hat, sondern auf Melodien anderer zurückgriff, so auch auf Luthers eigene Kompositionen. „Eine feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen. Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen.“ Das ist nicht nur die vielleicht berühmteste Bachkantate von 1736 (BWV 80). Sie ist auch das, was Heinrich Heine die „Marseillaise der Reformation“ nannte. Sie stammt aus Luthers Feder, der 1523 dazu aufrief, dass das Volk in der Messe sänge

„Neu war, dass Luther, das Lied feste in den Gottesdienst integrierte. Ein Beispiel sind die Gradual –Lieder oder de tempore–Lieder, die Advents – Lieder in der Adventszeit oder ein Osterlied in der Osterzeit, das also wirklich jeden Sonntag gesungen wurde. das hat Lieddichter so beflügelt, dass es bald für jeden Sonntag im Kirchenjahr gab. Das Lied war also fester Bestandteil der Liturgie und das unterschied Luther bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil von der katholischen Kirche.“

Eine Art Hit wird „Vom Himmel hoch, da komm ich her“, das Luther für die Hausandacht geschrieben hatte und das 1535 ins Wittenberger Gesangbuch fand. „Ich bring euch eine gute Mär. Der guten Mär bring ich soviel, Davon ich singen und sagen will.“ Engel, Hirten, Erzähler und Gemeinde singen und sagen darin viel. Bach vertonte das Lied oft. Etwa im Magnifikat, am Mittag des ersten Weihnachtstages 1723 und im Weihnachtsoratorium 1734 gleich mehrfach. Schließlich hat Johann Sebastian Bach wenigstens 30 der 37 Lieder Luthers vertont. (Jörg Hansen)

„Ohne Luther kein Bach, ist ja immer das Schlagwort und es stimmt ja auch. Ohne Luthers Begeisterung für die Musik hätte es nicht die Stellen für Kantoren und Organisten gegeben. Aber Bach war auch mit Herz und Verstand ein Lutheraner. Er hat die Lieder ausgedeutet, sehr geschickt. Er flicht neue Gedanken ein, in die Lieder, vertont sie anders als gewohnt. Alles hat einen Sinn bei Bach. Und ich denke, er ist ein Ausdeuter der Lutherischen Lieder gewesen.

Das Leben von Johann Sebastian Bach (1685-1750)

Johann Sebastian Bach wird am 21.März 1685 in Eisenach geboren und am 23.März in der Georgenkirche getauft. Der Taufstein ist dort bis heute erhalten.Johann Sebastian wächst in einer weitverzweigten Familie von Musikern auf, die aus dem thüringischen Dorf Wechmar stammend, in fast allen Orten der Gegend die Kirchen- und Hofmusiker stellen. 1695, nach dem frühen Tod beider Eltern, nimmt ihn sein älterer Bruder Johann Christoph zu sich nach Ohrdruf, wo er das Lyceum besucht und vom Bruder an der Orgel unterrichtet wird. Nach zwei Jahren in Lüneburg erhält Bach im März 1703 seine erste Anstellung al Lakai und Violinist am Hofe von Herzog Johann Ernst in Weimar. Bereits nach wenigen Monaten verläßt Bach Weimar wieder, um in Arnstadt als Organist an der neuen Kirche zu arbeiten. Hier schreibt er seine ersten bedeutenden Orgelkompositionen und unternimmt 1705 eine mehrmonatige Reise nach Lübeck, um von Dietrich Buxdehude unterrichtet zu werden. Nach Auseinandersetzungen mit seinem Arbeitgeber wechselt Bach im Sommer 1707 an die Divi.Blasii-Kirche in Mühlhausen. Im gleichen Jahr heiratet er seine Cousine Maria Barbara in der kleinen Kirche von Dornheim bei Arnstadt. Nach nur zwölf Monaten wechselt Bach erneut die Stellung und geht als herzoglicher Hoforganist zu Wilhelm Ernst nach Weimar. In den neun Jahren in dieser Position werden sechs seiner Kinder geboren, darunter Wilhelm Friedemann und Carl Philipp Emanuel. 1714 steigt er zum Konzertmeister auf, was ihn auch zu regelmäßigen Kantatenkompositionen verpflichtet. Zugleich verbreitet sich sein Ruf als Orgelvirtuose in ganz Deutschland. Im August 1717 wird Bach von Fürst Leopold zum Hofkapellmeister an dessen Hof in Anhalt-Köthen ernannt, worauf er in Weimar in Ungnade erst nach vierwöchigem Arrest entlassen wird. 1720 stirbt seine Frau Maria mit nur 35 Jahren. Ein Jahr später heiratet Bach die Sängerin Anna Magdalena Wilcke. Es folgen kompositorisch fruchtbare Jahre, in Köthen entstehen etwa die Brandenburgischen Konzerte und der erste Teil des Wohltemperierten Klaviers. 1723 wird Johann Sebastian Bach zum Kantor der Thomaskirche zu Leipzig gewählt. In dieser letzten Position komponiert Bach unter anderem seine großen Passionen, das Weihnachtsoratorium und die h-Moll-Messe. Nach zwei erfolglosen Augenoperationen stirbt er am 28.Juli 1750 in Leipzig.

 

Das Leben von Martin Luther (1483-1546)

Reformatorenbild St. Matthäus Vach

Martin Luther wurde am 10.November 1483 in Eisleben geboren. Im Alter von 15 Jahren schickten ihn seine Eltern auf die Pfarrschule nach Eisenach. Seinen Lebensunterhalt verdiente sich Luther als Mitglied der Kurrende. – so wie 200 Jahre später auch Johann Sebastian Bach. Im Frühjahr 1501 begann Martin Luther sein Studium an der Universität Erfurt. Nach seiner Promotion zum Magister Artium im Jahre 1505 setzte er sein Studium an der Juristenfakultät fort. Ein wichtiges Ereignis sollte jedoch am 2.Juli 1505 sein Leben verändern: Auf dem Rückweg aus Mansfeld nach Erfurt überraschte ihn nahe Stotternheim ein kräftiges Gewitter. Luther, zu Tode geängstigt, sah den einzigen Ausweg in einem Gebet: „Hilf du, heilige Anna, ich will Mönch werden!“ Zwei Wochen später, am 12.Juli 1505, trat Martin Luther ins Erfurter Augustinerkloster ein, wo er zwei Jahre später zum Priester geweiht wurde.

Im Auftrag des Erfurter Konvents machte Luther sich 1511 auf den Weg nach Rom, wo er die Generalbeichte ablegte. Nach seiner Rückkehr siedelte Martin Luther im September 1511 nach Wittenberg um. Er bewarb sich an der Universität und wurde ein Jahr später zum Doctor Theologiae promoviert. Bis zu seinem Lebensende hatte er dort dann den Lehrstuhl für Bibelauslegungen inne.

In den folgenden Jahren beschäftigte sich Martin Luther kritisch mit der Ablasspraxis der katholischen Kirche, was zur Veröffentlichung seiner 95 Thesen führte. Auf dem Höhepunkt der Diskussionen rund um den Ablasshandel schlug er schließlich am 31. Oktober 1517 seine Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche. Dies setzte die Reformation und Spaltung der Kirche in Gang.

Es dauerte nicht lange, da ergriffen Luthers Widersacher erste Gegenmaßnahmen, Im Oktober 1518 musste Luther beim Reichstag zu Augsburg seinen Anklägern gegenüberstehen. Er weigerte sich, seine Thesen zu widerrufen, sofern er nicht aus der heiligen Schrift heraus widerlegt werden würde. Nach der öffentlichen Verbrennung der päpstlichen Bulle in Wittenberg, die Martin Luther den Bann androhte, wurde er 1521 zum Reichstag nach Worms zitiert. Weil er auch hier nicht widerrief („revoco“), erklärte das Wormser Edikt Luther für vogelfrei. Zum Schutz versteckte ihn seine Förderer Friedrich der Weise daraufhin inkognito als Junker Jörg auf der Wartburg. Die Zeit dort nutzte Luther, um binnen elf Wochen das Neue Testament der Bibel zu übersetzen.

Die kirchliche Reformation spaltete auch die Politik: In Schmalkalden gründete sich 1531 der nach der Stadt benannte Bund. Für dessen Konvent verfasste Luther im Jahr 1537 die Schmalkaldischen Artikel, protestantische Hauptlehren. Martin Luther starb 1546 und ist in der Schlosskirche von Wittenberg beigesetzt.

Weitere Informationen zu Martin Luther hier!

Seit Jahren begeistern die Konzerte in der Vacher St. Matthäus-Kirche mit schönster und ausgewählter Musik in höchster Vollendung das Publikum.

Nun sind wieder neue Konzerte zu hören und zu genießen. Lassen Sie sich diese besonderen Konzerterlebnisse nicht entgehen! Ein besonderes musikalisches Highlight am Vorabend zum Tag des offenen Denkmals in und rund um die Wehrkirche St.Matthäus Vach. Weitere Konzerte unter Terminkalender.

Herzliche Einladung zur Mitwirkung!

Ihr

Pfarrer Markus Pöllinger

Pfarrer Markus Pöllinger