Nach dem rechtsextremen Anschlag auf eine Synagoge wird am Wochenende danach in Fürth der Opfer von Terror und Gewalt gedacht.
St. Matthäus Vach zeigt Verbundenheit mit jüdischen Gemeinden
Zeichen der Solidarität mit Juden:
Freitag, 11.10.2019: Möglichkeit eines Friedensgebetes und Entzünden einer Kerze in der St. Matthäus-Kirche Vach (Ps 122 und Andacht:Friedensgebet)
Samstag, 12.10.2019: Kirchenglocken in Fürth schweigen
Sonntag,13.10.2019: Friedensgebet im Gottesdienst um 9.30 Uhr
Friedensgebet im Herbstkonzert um 17 Uhr
Hintergrund:
Ausgerechnet am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur (großer Versöhnungstag, dem 9.10.2019) waren in Halle/Saale/Thüringen während eines Gottesdienstes in der Nähe der Synagoge zwei Menschen erschossen worden. Der Täter mit rechtsextremen Hintergrund und antisemitischen Motiven soll zunächst versucht haben, in die Synagoge einzudringen, was aber misslang. Auf seiner Flucht verletzte der Mann zwei weitere Menschen.
Friedensgebet:
Der Anschlag müsse alle friedliebenden Menschen „aufschrecken, sich mit mehr Entschiedenheit dafür einzusetzen, dass dem Rechtsextremismus, dem Antisemitismus und der Menschenverachtung in unserer Gesellschaft nach allen Kräften gewehrt wird. Das Engagement für Gerechtigkeit, Menschenrechte und Frieden müsse gestärkt werden.
(Markus Dröge, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.)
siehe: https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2019/10/friedensgebet-berlin-house-of-one-anschlag-halle.html
Kirchenglocken schweigen in Fürth:
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren,
nach Rücksprache mit Rabbiner Guggenheim, Dekanekollegium, Präsidiumsmitglied der Dekanatssynode Christian Herath, Dekan André Hermany und Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung bitten wir darum, morgen (Samstag) die Glocken den ganzen Tag nicht zu läuten.
Diese Bitte richtet sich an alle Kirchengemeinden im Dekanatsbezirk.
Das Schweigen der Glocken ist ein Zeichen:
Wir geben unserem Entsetzen Raum.
Wir zeigen unsere Verbundenheit mit den Menschen in den jüdischen Gemeinden – ob in Halle oder anderswo-, auf die der Anschlag gezielt hat.
Wir verpflichten uns dazu, Antisemitismus in jeder Form zu widersprechen.
Wir trauern mit den Angehörigen der beiden Todesopfer in Halle.
Wir setzen ein Zeichen gegen Hass und Gewalt.
Wir rufen auf zur Besinnung im Hinblick auf Sprache und Wortwahl insbesondere in den sozialen Medien.
Wir bekennen uns zum unveräußerlichen Recht auf freie Religionsausübung.
Wir bitten darum, die Kirchenvorstände und möglichst viele Gemeindeglieder über email u.ä. darüber zu informieren, es in den Sonntagsgottesdiensten zu erklären sowie in den Fürbitten für die jüdischen Gemeinden zu beten.
Mit herzlichen Grüßen von allen oben genannten,
Jörg Sichelstiel
Dekan
Bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm fordert Zeichen der Solidarität mit jüdischen Schwestern und Brüdern
Wichtige Erklärungen zum Verhältnis Christen und Juden
Evangelisch Lutherische Kirche in Bayern (1998)
Evangelische Kirche in Deutschland (2000)
„Nur, wer für die Juden schreit, darf gregorianisch singen!“ (Dietrich Bonhoeffer)
In stillen Gedenken aller Opfer von Terror und Gewalt
und als Mahnung „Wehret den Anfängen!“
Pfarrer Markus Pöllinger
P.S.: Kurt Klein, Pfarrer von St. Matthäus Vach (1937-1951) sagte wiederholt in Predigten:
„Wenn ihr den Mose wegnehmt,
dann stürzt die ganze Mosekanzel
und alles übrige ein“.
