• 400 Jahre Bergkirche Klaus: Historischer ökumenischer Festgottesdienst mit großen Gesten der Begegnung, Versöhnung und Freundschaft
„Das klingt wie ein Mut machendes Zeichen der Spuren Gottes in einer Welt, 
die Menschen gegen ihr eigenes Interesse und ihre Sehnsucht zu zerreißen drohen.“
(Regionalbischof Prof. Dr. Stefan Ark Nitsche, Nürnberg)
Liebe Interessierte,
passend zum Reformationstag 2018 (31.Oktober) findet eine hörbare Nachlese der wunderbaren Begegnung von Klaus statt.
Siehe Radio ab 17.15 Uhr: http://www.radiob138.at
Siehe PDF-Dokument

Zum Nachhören hier!

Mein Vorschlag:
Wir treffen uns am Reformationssonntag, dem 4.11.2018  in der Vacher St. Matthäus-Kirche
  • um 9.30 Uhr: zu einem Sakramentsgottesdienst mit dem Abendmahlskelch der Exulanten, dazu kurze Ausschnitte aus der Übertragung des ökumenischen Festgottesdienstes von Klaus
  • um 16.00 Uhr Reformationsnachmittag in der Vacher St. Matthäus-Kirche mit einem kleinen Anspiel zum Thema: „Wenn der Abendmahlskelch erzählen könnte…“ (in Szene gesetzt von Frau Meyer-Harries und Frau Hacker), dazu Informationen und Eindrücke der Begegnung in Klaus. Anschließend um 17 Uhr „public hearing“der Sendung. Ende: 19.00 Uhr
  • Herzliche Einladung, Markus Pöllinger, Pfr.

 

Was alles geschah…

 

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Die Delegation von St. Matthäus Vach zum historischen Festgottesdienst in Klaus umfasste 13 Personen
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Pfarrerin Waltraud Mitteregger und Pfarrer Markus Pöllinger freuen sich über die Begegnung. Evangelisch in Österreich: 400 Jahre nach der Errichtung der Bergkirche kommt der Kelch für eine Nacht vorübergehend nach Klaus zurück.

Am Samstag, dem 29. September 2018 fand um 19 Uhr ein Ökumenischer Festgottesdienst anlässlich des 400-jährigen Bestehens der ehemals evangelischen Bergkirche in Klaus (Österreich) statt.

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Die um 1618 von der Familie Ludwig und Anna Johanna Storch von Claus errichtete evangelische Schlosskirche, wurde in der Zeit der Gegenreformation wieder katholisch besetzt. 1632 mussten die Besitzer, die viele Glaubensflüchtlingen auf ihrem Schloss Schutz gaben, nun selbst aus Glaubensgründen auswandern. Sie zogen als „Exulanten“ nach Vach in Deutschland, wohin sie auch den goldenen Abendmahlskelch mitnahmen.

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1964 wurde Schloss Klaus wieder ein Freizeiten- und Bildungszentrum zur Begegnung von Christen. Es ist heute im Besitz der „Fackelträger“.

Nach 400 Jahren wurde nun ein Versöhnungsgottesdienst gefeiert, zu dem die Gäste aus Vach als Zeichen der Versöhnung den Abendmahlskelch der verfolgten Exulanten mitbrachten. Eine Freundschaft entstand.

„Ja, wenn der Abendmahlskelch erzählen könnte…“

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Pfarrerin Mag. Waltraud Mitteregger und Pfarrer Mag. Pater Andreas Bundziow

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Gefeiert wurde der ökumenische Gottesdienst mit evangelischem Abendmahl von Pfarrerin Mag. Waltraud Mitteregger, Pfarrer Mag. Pater Severin Kranabitl (Schlierbach), Pfarrer Mag. Markus Pöllinger aus Fürth-Vach und Pfarrer Mag. Pater Andreas Bundziow (Klaus). Weitere Ehrengäste, darunter die Kirchenvorsteher Dr. Friedrich Auer, Konrektorin Tanja Hacker, Norbert Hofmann und Dipl.-Ing. Jürgen Kretschmer aus Vach in Deutschland feierten ebenso mit. Im Anschluss an den Gottesdienst fand eine Agape statt. Ökumenische Gäste waren herzlich eingeladen. Zu den Initiatoren des Festjahres 400 Jahre Bergkirche gehörten Franz Limberger, Dr. Fried Mittendorfer, sowie Dkfm. Jürgen Kieninger von den im Schloss beheimateten Fackelträgern.

Koordinator der Versöhnung: Franz Xaver Limberger

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Initiator Dr. Fried Mittendofer

 

Gemeindefahrt der Begegnung und Geste der Versöhnung 

  • Am Samstag bei Morgengrauen machte sich die Delegation von der Matthäuskirche Vach aus auf nach Klaus in Oberösterreich. Ermutigt durch die Tageslosung aus Sach 8,13: „Hab keine Angst, pack zu!“ und Apg.27,23f. „Denn diese Nacht trat zu mir der Engel des Gottes, dem ich gehöre und dem ich diene, und sprach: Fürchte dich nicht, Paulus, du musst vor den Kaiser gestellt werden; und siehe, Gott hat dir geschenkt alle, die mit dir fahren. Darum, ihr Männer, seid unverzagt; denn ich glaube Gott, es wird so geschehen, wie mir gesagt ist.“
  • Die Vacher Delegation umfasste  13 Personen: Dr. Friedrich Auer, Tanja Hacker, Leo und Katharina Deininger, Karl-Heinz Kamm, Jürgen und Katharina Kretschmer, Heike Giering und Norbert Hofmann, Heinz Landler, Dr. Gerhard und Helmut Krahl, Pfr. Markus Pöllinger

Tanja Hacker

Katharina Kretschmer

Karl-Heinz Kamm
Heinz Landler

 

Jürgen Kretschmer
Dr. Friedrich Auer
Norbert Hofmann, Heike Giering, Jutta und Leonard Deininger
Pfr. Markus Pöllinger
Dr. Gerhard und Helmut Krahl

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  • Mit im Gepäck waren die kostbaren „vasa sacra“, der Abendmahlskelch, die Patene und die Hostiendose

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Einen Zwischenstopp legte die Gruppe an dem Grenzstädtchen Schärding am Inn ein. Direkt an der Innpromenade erinnert ein Gedenkstein an Leonhard Kaiser, einem ehemaligen Studenten Martin Luthers und reformatorisch gesinnten katholischen Priester von Waizenkirchen, der 1527 in Schärding als Ketzer verbrannt wurde.

Erinnerung an Leonhard Kaiser

Trotz dieser Umstände fasste die reformatorische Bewegung in OÖ sehr schnell Fuß. In OÖ war daraufhin fast 100 Jahre (1533-1632) bis zu  80% der ländlichen Bevölkerung evangelischen Glaubens. Vor allem in den Städten und unter dem Adel war die reformatorische Bewegung verwurzelt. Ab 1624 wurde der evangelische Glaube verboten. Siehe dazu Pfarrerin Waltraud Mitteregger´s eindrückliche Schilderung. (20180929 Klaus – Mitteregger Ref in OÖ) Den evangelischen Christen bleib die Wahl, entweder auszuwandern oder ihren Glauben im Verborgenen zu praktizieren. Dies geschah für rund 150 Jahre bis 1781, als mit dem Toleranzpatent die Gründung von Pfarrgemeinden wieder möglich wurde. 1861 erlangte die Evangelische Kirche ihre relative Selbstständigkeit. Erst 1961 wurde die völlige Unabhängigkeit und Gleichstellung erreicht.

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Ca 100 Km von der Landesgrenze entfernt gelangt man südlich von Linz, Wels und Steyr auf der A9 zu dem Ort Klaus an der Pyhrnbahn mit ca. 1000 Einwohnern (Bezirk Kirchdorf).

An der Engstelle des Steyrtales, ist von der Autobahn gut sichtbar, am Berghang thronend, das Schloss Klaus gelegen.

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Unterhalb des Schlosses wurde der Steyrfluss 1975 durch ein Kraftwerk aufgestaut und ein Stausee zur Naherholung entstand.

 

 

 

 

 

 

Das Schloss Klaus samt Burganlage wurde seit  1964 zu einem evangelisch-kirchlichen Zentrum der Fackelträger ausgebaut und kann heute bis zu 150 Personen beherbergen. Die Aktivitäten der Fackelträger sind vielfältig. Ausgehend  von der Verkündigung der missionarischen Christusbotschaft (Bibelschule), entwickelten sich Schwerpunkte in der Jugend- und Konfirmandenarbeit Österreichs, in der diakonischen Behindertenarbeit und bei zahlreichen missionarischen internationalen Projekten.

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Im Kaminzimmer…

 

Burg, Schloss und die Kirche bilden ein einzigartiges Ensemble und bieten ein beeindruckenden Weitblick ins Steyrtal.

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400Jahre-Bergkirche-Roidinger-06.jpgTourismuschef und unermüdlicher Initiator der „400-Jahrfeier Bergkirche Klaus“ – Franz Limberger und Pfr. Markus Pöllinger in Vorfreude auf den ökumenischen Gottesdienst mit evangelischem Abendmahl vor der Bergkirche.

Ein historischer Augenblick.

Tourismusdirektor i.R. Franz Limberger und Pfarrer Markus Pöllinger

 

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Stiftsorganist Mag. Wolfgang Mitterschiffthaler an der Orgel der Bergkirche

Letzte Vorbereitungen und Absprachen für den ökumenischen Gottesdienst mit Abendmahl

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Der Abendmahlskelch kehrt für einen Abend zurück nach Klaus…

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Pfarrer Markus Pöllinger erklärt das Wappen der Familie von Storch von Claus

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Alles ist bereit. Sehet und schmecket wie freundlich der Herr ist.

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Einzug der Mitwirkenden und Festgäste aus Vach mit dem Abendmahlskelch

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Einzug der Mitwirkenden und Festgäste aus Vach mit dem Abendmahlskelch

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Begrüßung durch Pfr. Pater Andreas (Klaus – Stift Schlierbach) und Pfr.in Waltraud Mitteregger (Kirchdorf-Windischgarsten). Sie leitete nach einem geschichtlichen Rückblick (siehe: 20180929 Klaus – Mitteregger Reformation in OÖ) den Bußteil und setzte später das Abendmahl ein.

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Pfr. Pater Severin Kranabitl (ehemals Klaus – Stift Schlierbach)

Die Mitwirkenden: Pfr. Pöllinger Pfr.in Mitteregger, Schloßleiter Kieninger, Patres Severin und Andreas

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Kirchenvorsteherin Tanja Hacker liest aus Epheserbrief 4,1-16

Epheser 4,1-7,12b.16

Die Einheit im Geist und die Vielfalt der Gaben

1 So ermahne ich euch nun, ich, der Gefangene in dem Herrn, dass ihr der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid,

2 in aller Demut und Sanftmut, in Geduld. Ertragt einer den andern in Liebe

3 und seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens:

4 ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung;

5 ein Herr, ein Glaube, eine Taufe;

6 ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.

7 Einem jeden aber von uns ist die Gnade gegeben nach dem Maß der Gabe Christi.

12b Dadurch soll der Leib Christi erbaut werden,

13 bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zum vollendeten Menschen, zum vollen Maß der Fülle Christi,

14 damit wir nicht mehr unmündig seien und uns von jedem Wind einer Lehre bewegen und umhertreiben lassen durch das trügerische Würfeln der Menschen, mit dem sie uns arglistig verführen.

15 Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus.

16 Von ihm aus gestaltet der ganze Leib sein Wachstum, sodass er sich selbst aufbaut in der Liebe – der Leib, der zusammengefügt und gefestigt ist durch jede Verbindung, die mit der Kraft nährt, die jedem Glied zugemessen ist.

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Der heutige Schlossleiter Jürgen Kieninger erinnert an die Geschichte der Familie Ludwig und Anna Johanna von Storch, die das Schloss und die Bergkirche 1618 erbauten und 1622 einen goldenen Abendmahlskelch mit Patene für evangelische Gottesdienste anfertigen ließ. 1632, d.h. 14 Jahre später, mussten sie wegen ihres evangelischen Glaubens ihre Heimat, Schloss und Kirche in Klaus verlassen. Als Exulanten kamen sie nach Vach ins Städtedreieck Nürnberg-Fürth-Erlangen.  180929 Klaus Grusswort Kieninger

 

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Pfarrer Markus Pöllinger predigt über das Wunder der Versöhnung in Wort und Sakrament.

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Kirchenvorsteher Jürgen Kretschmer liest aus den Psalmen 24 und 84 über die Freude am Hause des Herrn

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Predigt:

Gnade sei mit euch, von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus

und dem Heiligen Geist. Amen.

 

Liebe festliche Gemeinde,

als ich am Morgen des 21. Septembers / dem Matthäustag,/ in mein Büro ging, um zu schauen, ob eine Nachricht aus Klaus da ist, war es wie ein Gruß vom Himmel. Über unserem Ensemble, dem Vacher Pfarrhaus und der Kirche, leuchtete die Sonne  und ein wunderschönes Morgenrot war zu sehen. Das E-Mail von Frau Pfarrerin Mitteregger war da… Dies wurde mir zu einem inneren Bild. Gott hat seine Gemeinde nicht vergessen, Gott ist treu.

Obwohl verschieden unsere Lebenswege, sind wir eingeladen in Liebe und Versöhnung anlässlich der 400-Jahrfeier / das Evangelium in Wort und Sakrament, d.h. auch konkret in Brot und Wein, zu empfangen.

Vor 2 Wochen hatten wir selbst in Vach die Kirchweih  unserer St. Matthäuskirche gefeiert, mit den Worten des 26 Psalms:

Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt.

Und aus Psalm 84 erfuhren wir etwas über die  Freude am Hause Gottes.

Wir hören:

2   Wie lieblich sind deine Wohnungen, HERR Zebaoth! 

3Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HERRN;

mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott. 

4Der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen – deine Altäre, HERR Zebaoth, mein König und mein Gott. 

5Wohl denen, die in deinem Hause wohnen; die loben dich immerdar.

6Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten

und von Herzen dir nachwandeln! 

10Gott, unser Schild, schaue doch;

sieh an das Antlitz deines Gesalbten! 

12Denn Gott der HERR ist Sonne und Schild;

der HERR gibt Gnade und Ehre.

Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen. 

13HERR Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt!

 

Für mich stellt sich die Frage:

kann ich auch so singen wie dieser Psalmist auf dem Pilgerweg?

Ist mein Herz auch so erfüllt von Gottes Treue?

Nach all dem Leid, der Not, dem Streit, den Kriegen in der Welt?

Trage ich in meinem Herzen die Sehnsucht nach der Einheit der Christen? –

 

Wir in Vach nennen unsere Kirche gerne auch das „Wohnzimmer Gottes“.

Es sind Menschen zu Hause, die etwas erfahren wollen von der Liebe und der Kraft der Vergebung unseres Gottes, unseres Herrn und Erlöser Jesus Christus.

Wo bin ich zu Hause? Wo möchte ich zu Hause sein?

Oder wo kann ich sein, wo werde ich angenommen, so wie ich bin?

Habe ich überhaupt ein Zuhause?

Als junger Mensch, als Erwachsener,

als schuldig gewordener Mensch, als alt gewordener Mensch,

als Vater oder Mutter,

als Bruder oder Schwester.

Der Psalmist singt von der Freude am Hause des Herrn.

Das ist seine Stärke.

Ja, ich gehe gerne in meine Kirche, da fühle ich mich geborgen, da bin ich daheim, zu Hause, da will ich hin. Da erfahre ich Gemeinschaft. Da nehme ich mich und den anderen wahr.

Und das verbindet uns heute, liebe Mit-Christen, die Sie zur abendlichen Stunde den Weg auf sich genommen haben.

Die Liebe zu dem Bergkirchlein hier in Klaus…

Jedem und Jeder von uns kommen jetzt bestimmt viele Bilder und Gedanken in den Sinn. Sie werden vielleicht sagen: wenn Steine erzählen könnten, was würden Sie alles erzählen…von unseren Vorfahren.

400 Jahre sind vergangen,

viel Leid, Not, Uneinssein in Glaubensfragen,

Tränen, die unsere Väter, Mütter weinten,

Menschen mussten um ihres Glaubens willen ihre Heimat verlassen.

All das gehört zur Geschichte dieses Ortes, dieser Gegend.

Aber Gott ist treu.

Die Geschichte Gottes geht weiter.

Er lässt die Seinen nicht im Stich.

Dass dieser Gottesdienst heute so möglich ist,

ist für mich ein großes Geschenk seiner Gnade und Treue.

Lasst uns das nicht vergessen, liebe „Fest-Gemeinde“!

Die Märtyrer sind immer der Samen für die  Kirche gewesen.

Auch heute denken wir an verfolgte Christen in aller Welt.

Es muss uns ein Herzensanliegen sein, an sie zu denken, für sie zu beten.

 

Liebe Schwestern und Brüder,

als ich heute dieses „Bergkirchlein“ das erste Mal betrat, spürte ich, es geht Friede von hier aus, Versöhnung.

Denn in der Mitte des Chorraums steht ein Tisch, als Zeichen der Gemeinschaft. Und auf den Tisch liegen kleine Holzkreuze, wie wir sie den Schulanfängern umhängen und sie mit dem Kreuzeszeichen segnen. Das Kreuz als Zeichen der Versöhnung. Es war die Mitte der Botschaft des Gekreuzigten, noch am Kreuz bat er um Versöhnung. Auf dass sie alle eins seien   –  der barmherzige Gott gab seinen einzig geliebten Sohn für uns in den Tod auf dass wir Frieden hätten, durch seine Wunden sind wir geheilt – heil geworden.

Das gilt für Menschen damals und heute.

Gottes Wort und das Sakrament des Heiligen Abendmahls rufen uns aus der Vereinzelung heraus und führen uns in eine Gemeinschaft mit Christus und untereinander als Schwestern und Brüder.

Das Mahl des Herrn stärkt uns Christen auf dem Weg im Leben.

Darum soll heute die Freude an Christus stärker als alles andere sein. Es ist eine Freude am Tisch des Herrn Gast zu sein, bei aller Zerrissenheit und Trennung.

 

Wo bin ich zu Hause?

Immer wieder meine Frage; so wie der Vogel ein Nest gefunden hat, darf ich geborgen sein in Gottes guten, barmherzigen Händen erleben.

„Glauben dürfen“ heißt in erster Linie ein Hinsehen auf Jesus.

Ein Christ ist ein Mensch, der sein Lebenshaus für Jesus öffnet, ihn einlädt.

Es sollen sich Menschen freuen, die zu Jesus gehören.

Die Freude an Christus ist meine Kraft und Stärke.

So möchte ich nochmals an die Lebensgeschichte des Herren von Klaus und seiner Familie erinnern, den Schlossherren und Erbauer dieser Kirche.

Es ist das Erbe des Glaubens, dass er uns hinterlassen hat.

Um des evangelischen Glaubens willen hat er Heimat, Haus und  Hof und diese Kirche verlassen, kam zu uns nach Franken nach Vach bei Fürth.

Und im Gepäck den Abendmahlskelch.

Er war ihm lieb und kostbar.

Er ist in unserer Sankt Matthäus Kirche immer noch in Gebrauch und erinnert an die Glaubenstreue dieser Familie.

An diesem Beispiel sehen wir wie „Glauben dürfen“ in Not und Bedrängnis weiterhilft.

400 Jahre sind seitdem vergangen.

Die Frage an uns heute: welchen Stellenwert hat heute bei uns das Glauben dürfen?

Wo bin ich zu Hause, was trägt mich im Lebensalltag, was trägt mich in Krisenzeiten,

lasse ich Jesus Christus in mein Lebenshaus einziehen?

 

Die Geschichte Gottes geht weiter,

auch mit uns, in Deutschland und Österreich, weltweit.

In Jesus Christus sind wir Geschwister im Glauben.

Lasst uns das erkennen, in einer immer mehr säkularer werdenden Zeit.

Wir alle sind, wie der Psalmist es in seinem Wallfahrtslied besingt, Pilger, Wanderer zum ewigen Hause Gottes.

Einmal dürfen wir unsere Zelte hier abbrechen

und bei Jesus sein.

Da wird ewige Freude sein,

einzig allein bei Jesus sein.

Aber, solange wir noch unterwegs sind, lasst uns fröhlich sein.

Gott in Jesus Christus ist unsere Kraft und unsere Freude.  Lasst uns dies  in unseren Welt immer wieder neu erkennen und Fackelträger der frohen Botschaft sein.

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist denn all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christo Jesu.

Amen.

Klaus, 29.09.2018, Pfr. Markus Pöllinger

 

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„Gottes Wort und das Sakrament des Heiligen Abendmahls rufen uns aus der Vereinzelung heraus und führen uns in eine Gemeinschaft mit Christus und untereinander als Schwestern und Brüder. Das Mahl des Herrn stärkt uns Christen auf dem Weg im Leben. Darum soll heute die Freude an Christus stärker als alles andere sein. Es ist eine Freude am Tisch des Herrn Gast zu sein, bei aller Zerrissenheit und Trennung.“

 

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Friedensgruß und Grussworte

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Lektor Peter Weihbold: Medidationstext

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Kirchenvorsteher Dr. Friedrich Auer

Kirchenvorsteher Dr. Friedrich Auer verliest das Grußwort von Nürnbergs Regionalbischof Prof. Dr. Stefan Ark Nitsche,

Grüße der Vacher Kirchengemeinde überbringen Pfr. Pöllinger und Kirchenvorsteher Norbert Hofmann

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Pfr. Pöllinger und die Patres Andreas und Severin vom Zisterzienser-Stift Schlierbach

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Erinnerungsfoto mit Pfarrerin Mitteregger und Pfarrer Pöllinger

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Erinnerungsfoto mit Pfarrer Pöllinger und Herrn Kieninger

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Erinnerungsfoto mit Peter Wiegand

Pfr. Pöllinger mit Franz Limberger und Dr. Fried Mittendorfer

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Eine Lutherbibel mit Bildern von Marc Chagall an Dr. Fried Mittendorfer

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So geht nun weiter mit dem Vacher Wegsegen:

 

Nimm etwas mit

von der Kraft dieses Wochenendes

und teile deine Freude mit denen,

zu denen du nun gehst.

 

Nimm Hoffnung mit und Wertschätzung

für dich selbst und all die anderen.

Nimm dir das Vertrauen

und das Zutrauen dieses Wochenendes

als Unterstützung.

 

Lass hier,

was du nicht brauchen kannst

für die kommende Zeit.

 

Gott begleitet dich.

 

Er will für dich da sein,

dich ermutigen

und mittragen.

 

Du bist etwas wert.

Du gehst einen guten Weg

und hast Aufgaben,

die du erfüllen sollst und kannst

in deinem Leben –

ganz als Mensch

mit Gottes Kraft.

 

Und jetzt und heute

sollst du beginnen.

 

Denn du bist gesegnet,

um Segen zu sein.

 

So segne dich der allmächtige und barmherzige Gott +

Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.  Amen.

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Bleibt behütet

                                                   Pfarrer Markus Pöllinger

 

Hier noch weitere Informationen und Anmerkungen

PDF-Dokument

 

Anmerkungen

Gemeindefahrt zu Schloss und Bergkirche Klaus (Österreich):

„…auf den Spuren der Exulanten

Abendmahlskelch der Kirchengemeinde St. Matthäus Vach

Zeit
29.09.2018. 30.09.2018
ganztägig

Klicken Sie hier für den Link zum Trailer bei Youtube.

Herzliche Einladung zu einer 2-tägigen Gemeindefahrt mit Übernachtung nach Schloß Klaus (Österreich), am Samstag, den 29. September (Abfahrt, 7 Uhr) und Sonntag, den 30. September (Rückkehr, 20 Uhr).

Wir werden u. a. am Samstagabend um 19:00 Uhr einen ökumenischen Gottesdienst in der Bergkirche von Klaus mit unserem – einst von oberösterreichischen Exulanten gestifteten – Abendmahlskelch feiern.

Pfarrerin Waltraud Mitteregger, OÖ   Pfarrer Pater Severin Kranabitl, OÖ Pfarrer Markus Pöllinger, St. Matthäus Vach   Die „Vasa sacra“ in St. Matthäus Vach sind allein schon aufgrund ihres Symbolgehaltes wichtige Denkmäler für die Reformationsgeschichte Oberösterreichs

Tipp: Hier finden Sie einen Glaubens-Impuls und das Gemeinsame_Wort für die Evangelische und Katholische Kirche Oberösterreich zum Reformationsgedenken 2017.

Die ehemals evangelische Bergkirche von Klaus im Inneren heute

400 Jahre Bergkirche Klaus

Die Bergkirche Klaus wurde ehemals als evangelische Kirche 1618 oberhalb des Schlosses erbaut.

1616–1618 wird oberhalb des Schlosses die Bergkirche Klaus als evangelische Pfarrkirche durch Ludwig von Storch erbaut, gemeinsam mit Prädikantenwohnhaus und Friedhof. Jedoch Kaiser Ferdinand II nahm 1624 energisch im Land ob der Ens die Gegenreformation in Angriff. Schließlich 1632 musste Ludwig von Storch, seine Ehefrau Anna Johanna wie etwa 500 gleichgesinnte Adelige, wegen ihres evangelischen Glaubens das Land verlassen. Im Zuge der Gegenreformation wird die Bergkirche schließlich 1674 als römisch-katholische Pfarrkirche geweiht, was durch Freiherrn Georg Siegmund von Salburg und dessen Nachfolger Gotthard Heinrich, Graf von Salburg, jahrelang angestrebt worden war.

Der Abendmahlskelch der oberösterreichischen Exulanten von Schloß Klaus – „Geschichte und Glauben erleben“

Abendmahlskelch und Patene der Kirchengemeinde St. Matthäus Vach: 1622 stiften Ludwig und Anna Johanna Storch einen goldenen Abendmahlskelch und Patene für die evangelischen Gottesdienste. Als die Storchs aufgrund der Gegenreformation Österreich verlassen müssen und sich in Vach bei Fürth (Bayern) niederlassen, spenden sie den Kelch der dortigen evangelischen Kirche, wo er bis heute bei den Feiern des Abendmahls in Verwendung ist.

Abendmahlskelch von 1622 in St. Matthäus Vach (hinten)

Abendmahlskelch von 1622 in St. Matthäus Vach (vorne)
Abendmahlskelch der Kirchengemeinde St. Matthäus Vach:1622
(Mitte)
Abendmahlskelch der Kirchengemeinde St. Matthäus Vach:1622 stiften Ludwig und Anna Johanna Storch einen goldenen Abendmahlskelch für die evangelischen Gottesdienste.
Als die Storchs aufgrund der Gegenreformation Österreich verlassen müssen und sich in Vach bei Fürth (Bayern) niederlassen, spenden sie den Kelch der dortigen evangelischen Kirche, wo er bis heute in Verwendung ist.
Patene von 1622 in St. Matthäus Vach (Wappen)
Patene von 1622 in St. Matthäus Vach
Abendmahlskelch von 1622 in St. Matthäus Vach (Wappen)

siehe Krauß, Eberhard, Das Erbe der Exulanten, 2003

„Renaissance und Reformation“: oö Landesaustellung auf Schloß Parz, 2010

233.000 Besucher bestaunten den ältesten oberösterreichischen Abendmahlkelch bei der oö Landesaustellung auf Schloß Parz 2010

Vacher Delegation bei der Eröffnung der oö Landesaustellung auf Schloß Parz 2010: von links: Pfarrer Markus Pöllinger, Georg Knorr, Pfarrer Eberhard Krauß (+), Gudrun Knorr, Norbert Hofmann

Der international renomierte „Exulantenexperte“ und Ehrenvorsitzende der Gesellschaft für Familenforschung in Franken e.V. Eberhard Krauß verstarb am 22.01.2018. Wir behalten ihn im ehrenden Gedächtnis

Pfr. Eberhard Krauß (Nürnberg), Univ.-Prof. DDr Rudolf Leeb (Wien), Pfr. Markus Pöllinger (Vach)

Superindentent Dr. Gerold Lehner: Wo stehen wir in der Ökumene? (2010) https://www.youtube.com/watch?v=uc1rawAslLs

Kinder des Kinderchores Martin Luther aus Linz singen bei dem Eröffnung der großen Landesausstellung zum Thema „Renaissance und Reformation“ Ein voller Erfolg. Siehe das Fazit von Dr. Gerold Lehner aus Sicht der Evangelischen Kirche Oberösterreichs A.B. unter: http://www.evang-ooe.at/de/themen/landesausstellung-2010

2010: Gemeindefahrt der Kirchengemeinde St. Matthäus Vach zur oö. Landesausstellung nach Parz

2010: Gruppenfoto mit 57 Teilnehmern bei der Gemeindefahrt zur oö. Landesausstellung

Weitere Hintergrundinformation zur Geschichte: